Evolutionäres Denken



Himmel, Erde und Schöpfung

Februar 7th, 2010 by admin· 1 Comment · Andrew Cohen, Evolutionäres Denken

Himmel, Erde und Schöpfung

Im folgenden Kapitel seines Buches An Unconditional Relationship to Life von 1995 beschreibt Andrew Cohen einen Wendepunkt seines eigenen Verständnisses von der Bedeutsamkeit der Erleuchtung.

Drei Wochen nachdem ich meinen letzten Lehrer getroffen hatte, saßen wir schweigend in einem Park in Lucknow im Norden Indiens. Ich war versunken in meine neueste Erkenntnis, dass alles einfach IST. “Es gibt nichts zu tun und wir brauchen nirgendwo hinzugehen”, sagte ich, das Schweigen brechend. “Nach dem Erwachen sieht man, dass sich nichts verändern muss, weil alles perfekt ist, so wie es ist.”

“Sehr gut”, antwortete er.

Kurz darauf fragte ich ihn: “Warum hat der Buddha dann eine Sangha gegründet? Warum forderte er Leute auf, die Welt aufzugeben und ihm zu folgen, um ein gemeinsames Leben der Entsagung zu führen, außerhalb und fern von der bürgerlichen Welt?”

“Das weiß ich nicht”, sagte er kopfschüttelnd.

Zu jener Zeit schien dies ein Widerspruch zu der Einsicht zu sein, dass die Dinge so, wie sie sind, von Grund auf perfekt sind. Der Wunsch sich zurück zu ziehen, sich in irgendeiner Weise zu verändern, schien gerade die Antithese zu dieser radikalen Erkenntnis zu sein.

Ich wollte wissen, warum Ramana Maharshi, der Lehrer meines Lehrers, seinen Schülern davon abriet, äußerliche Veränderungen in ihrem Leben vorzunehmen, um ihnen zum Erwachen zu verhelfen, während der Buddha so viele dazu ermutigte, alles für die Erleuchtung aufzugeben. Zweifellos galten diese beiden Männer als unvergleichliche Beispiele höchster spiritueller Verwirklichung. Daher war es keine irrelevante Frage, warum ihre Lehren sich so stark voneinander unterschieden.

Erst fünf Jahre später begann ich, die Antwort auf diese Frage schließlich zu verstehen. Während des ersten Retreats, welches ich in Bodhgaya im Jahre 1991 hielt, unternahmen ich und einige meiner engsten Schüler lange Spaziergänge durch die staubigen Felder, nicht weit entfernt vom Haupttempel. Als wir so gingen und miteinander sprachen, starrte uns vom Ende der Stadt aus eine massive, friedvoll in Meditationshaltung sitzende steinerne Buddhastatue an. In jenem Moment begann ich auf eine Weise zu hinterfragen, wie ich es nie zuvor getan hatte.

Mir wurde klar, dass Erleuchtung nicht immer unbedingt ein und dasselbe war. Ich begann zu verstehen, dass, obwohl die absolute Natur der Erleuchtung dieselbe sein musste, die unterschiedlichen Ausdrucksweisen von Erleuchtung in offenbar vollkommen erwachten Individuen sich jedoch auf Schlussfolgerungen über deren Relevanz beziehen konnten, die nicht unbedingt die gleichen waren.

In den ersten Jahren meiner Karriere als Lehrer entgegnete ich spontan all jenen, die zu mir kamen, so: Erkenne und gib dich hin. Erkenne jenes Mysterium, dass der Verstand nicht begreifen kann. Wenn du dieses Mysterium entdeckt hast, dann gib dich dem, und nur dem allein, hin. Erkenntnis und Hingabe. Erkenntnis und Hingabe. Erkenntnis und Hingabe.

Erkenne, dass du nie geboren wurdest. Gib dich der Tatsache hin, dass du nie unfrei warst. Erkenne, dass es nie ein Problem gab und wende dich nie von dieser Erkenntnis ab. Gib dich allein dem hin.

Was mehr gab es dazu zu sagen? Was könnte es Weiteres geben? Nichts. Nichts. Nichts.

Diese Botschaft, diese Übertragung von Liebe und Freude strömte spontan durch mich hindurch und berührte die Herzen jener, die es wagten, auch nur für einen Augenblick zu glauben, dass es wirklich so einfach sein könnte.

Die Tatsache, dass der Himmel zum Greifen nah war, dass er nie wirklich weit entfernt gewesen war, sondern immer näher als nah gewesen war, bereit entdeckt zu werden wie eine lang verlorene Liebe, war die ständige Einsicht, die ich, und jene um mich herum, erfuhren.

Im Himmel gibt es nichts zu tun und nirgends hinzugehen. Oder doch?

Mit der Zeit und mit mehr Erfahrung begann jener aus dem Mysterium hervorströmende Impuls einen anderen Ton anzunehmen. Die Botschaft fing an sich zu verändern. Warum? Weil immer deutlicher wurde, dass Himmel und Erde nicht getrennt voneinander waren.

Im Himmel gibt es niemanden, der etwas tut. Im Himmel gibt es keinen Anderen, keine Ursache und Wirkung. Auf der Erde gibt es den Handelnden, es gibt Andere und es gibt Ursache und Wirkung.

Darin liegt die größte Herausforderung für jede authentische Lehre der Erleuchtung: Diesen perfekten Mittelweg zwischen allen Unterschieden ans Licht zu bringen – diesen bedeutendsten Punkt, an dem Himmel und Erde sich treffen und ununterscheidbar werden. Dies scheint nicht allein die größte Herausforderung für jede Lehre der Erleuchtung zu sein, sondern auch für jene die nach ihr suchen. Dieser unglaublich subtile Punkt war scheinbar leicht zu übersehen. Obwohl die tiefste spirituelle Einsicht genau diesen perfekten Mittelpunkt, an dem Himmel und Erde zusammenkommen, offenbarte, schienen wenige in der Lage zu sein, die Tiefe dieser Transparenz für mehr als nur einen Augenblick aufrechtzuerhalten. Tatsächlich enttarnte sich die vermeintliche Suche nach Erleuchtung bei näherem Hinschauen oft als nicht anderes als ein Versuch, der Erde zu entfliehen. Bei dieser Flucht wurde die entscheidende Grundlage von Ignoranz – die dualistische Beziehung zum Leben – nicht nur nicht zerstört, sondern wurde unbewusst sogar noch vertieft.

Deshalb hatte die Botschaft begonnen sich zu ändern. Deswegen wurde die Tatsache, dass Himmel und Erde nicht von einander getrennt sind, jetzt zu meinem ständigen Leitsatz.

Was sich dann eröffnete, war unglaublich. Die aus diesem Mysterium hervorströmende Botschaft enthüllte jetzt eine Sichtweise, in der die Erde nicht verschwinden musste, um den Himmel zu verwirklichen. Noch wichtiger war, dass es nicht ausreichte, den Himmel zu erkennen – denn jetzt wurde es eine unvermeidliche und unabwendbare Notwendigkeit, den Himmel auf Erden buchstäblich zu manifestieren, damit das Erwachen wirkliche Tiefe erhielt. Dieser Schritt – die lebendige Tatsache des Himmels, der Einheit, in Zeit und Raum zum Leben zu erwecken – zeigte sich als eine evolutionäre Dringlichkeit. Der Aufruf, dieses Ungeteilte zu sein, überstieg die Bedeutung der bloßen Erkenntnis des Ungeteilten.

Das damit verbundene ekstatische Gefühl war kaum zu fassen, denn der evolutionäre Impuls, der sich durch uneingeschränkte Energie ausdrückte, zielte allein darauf ab, dass sich diese vollkommene Liebe und Einheit in Zeit und Raum manifestieren konnten. Als was? Als perfekte Beziehung zwischen Selbst und Anderen, Selbst und der Welt. Die Bedeutung der Nicht-Dualität schien eine noch höhere Bedeutung zu bekommen. Der Himmel war nicht von der Erde getrennt. Jedoch musste diese Tatsache jetzt bewiesen werden – durch den bedingungslosen Willen, selbst der lebendige Ausdruck dieses Ungeteilten zu werden.

Die Bewegung des Urknalls, der Schöpfung an sich, war in all ihrer Größe enthüllt. Wie durch ein Wunder wurden diejenigen Strukturen, welche die Ignoranz tragen und aufrechterhalten und die Evolution verhindern, durchschaubar. Gleichzeitig traten Strukturen in Erscheinung, die Liebe und Einheit enthalten und erhalten. So vieles wurde möglich, und so viel Leidenschaft darüber, diese Möglichkeit zu erkennen, kam zum Ausdruck. Tatsächlich schien es, als gäbe es so viel zu tun!

Der Aufruf, das Ungeteilte zu sein, ließ keine Möglichkeit mehr offen, um der Erde zu entfliehen. Dieser Aufruf verlangte in der Tat, dass alle Impulse, getrennt zu bleiben, transzendiert werden müssen. Es wurde offensichtlich, dass dem Individuum die Manifestation dieser Transparenz nur durch die vollständige Aufgabe und Transzendenz jedes Impulses, getrennt zu sein, gelingen würde. Wobei jene Transparenz genau der Ausdruck des Punktes war, an dem Himmel und Erde auf einander treffen und nicht mehr von einander zu unterscheiden sind.

Auf dem Rückweg zum Haupttempel wurde deutlicher als je zuvor, wie stark meine Perspektive sich geändert hatte. Es schien, als ob Ramana Maharshi und der Buddha über zwei unterschiedliche Formen von Erleuchtung sprachen. Ich hatte keine Zweifel daran, dass diese beiden außerordentlichen Männer das Wunder tiefen spirituellen Erwachens – dem Erkennen und beständigem Verweilen an jenem perfekten Mittelpunkt zwischen allen Gegensätzen – vollends verkörperten. Dennoch deuteten die Ausdrucksweisen dieser Einsichten auf die Tatsache hin, dass die jeweiligen Schlussfolgerungen, zu denen sie gekommen waren, nicht unbedingt die gleichen waren. Ramana Maharshi wies anscheinend darauf hin, den Himmel zu erkennen und ständig darin zu verweilen. Der Buddha betonte die Notwendigkeit, den Himmel auf Erden zu erschaffen. Jetzt wurde deutlich, warum der eine seinen Schülern davon abriet, Veränderungen in ihrem Leben vorzunehmen, während der andere, aus demselben Grund, so viele dazu ermutigte, alles aufzugeben und zusammenzukommen.

Drei Jahre später besuchte ich einen Gelehrten der Kabbala, welcher mit seiner Familie in einem kleinen Dorf in der Wüste nahe Tel Aviv wohnte, indem chassidische Juden lebten.

“Das grundlegende Prinzip im mystischen Judentum heißt ‘ratzo vashov’”, erklärte er. “Ratzo vashov steht für eine andauernde, lebendige Dynamik der Bedeutung von Gehen und Wiederkehren. Gehen und Wiederkehren heißt, die Begrenztheit zu verlassen und in der Lage zu sein, in diesen vorangegangen Zustand der Begrenztheit zurückzukehren, um ihn zu korrigieren … Irgendwie hat Gott die Welt erschaffen, sodass wir sein unendliches Licht in dieses endliche Dasein bringen. Das ist der Sinn, das ist das Ziel.”

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Der Ruf des Absoluten

Februar 7th, 2010 by admin· Kommentare deaktiviert · Andrew Cohen, Evolutionäres Denken

Der Ruf des Absoluten

Was gewinnst du, wenn du das Gesicht Gottes siehst? Die Antwort ist einfach: absolut nichts. Das ist es, was wir in der spirituellen Offenbarung für uns entdecken. Doch weil wir zu Materialisten erzogen worden sind, nehmen wir an, der Sinn des Lebens bestehe darin, zu bekommen, zu haben und anzuhäufen. Und wenn wir den spirituellen Pfad betreten, bringen die meisten von uns unbewusst diese tief sitzende materialistische Beziehung zum Leben mit. Wir wollen, dass eine transzendente Macht uns göttliche Gnade zuteil werden lässt, damit wir sie für uns selbst haben können. Doch was wir nicht wissen, ist, dass diese Macht noch materialistischer ist als wir. Wenn wir das Glück haben, die Erfahrung zu machen, wie sich ihre geheimnisvolle Gegenwart in, um und durch uns hindurch bewegt, werden wir die erschreckende und doch magnetisierende Anziehung absoluter Liebe entdecken, die nichts weniger als alles von uns fordert. Jeden einzelnen Atemzug, den unsere Lunge macht, will diese Gegenwart nur für sich. Jene, die diese Erfahrung gemacht haben, sind entweder durch die unvorstellbare Intensität ihrer absoluten Natur von Ekstase überwältigt oder durch ihre eigene Angst davor gelähmt worden. “Ich will alles von dir für mich selbst“, ist der endlose Ruf dieses Mysteriums. Die Glücklichsten unter uns haben keine andere Wahl als aus der Tiefe ihres Seins zu antworten, wenn sie diesen Ruf hören. Selbst wenn die ganze Welt schreit: “Nein, du darfst das nicht – du solltest dich nicht etwas hingeben, was der Verstand nicht begreifen kann“, sinken sie auf die Knie, bereit zu sterben.

Spirituelle Erfahrung, welche die Kraft zur Transformation hat, gibt uns nichts, sie nimmt uns alles. Die überwältigende Schlichtheit dieser einfachen Wahrheit führt uns, wenn wir sie erkennen, genau an das äußerste Ende des Bekannten. Und dort draußen entdecken wir, dass es völlig von uns abhängt, ob die Macht der absoluten Liebe in dieser Welt, die so von selbst verursachtem Schmerz und Elend überwältigt ist, wirken kann.

Jenseits unseres ichbezogenen Denkens gibt es ein geheimnisvolles Reservoir unvorstellbarer Stärke und Energie, das sich aus dem hingegebenen Herzen spontan in die leidende Welt ergießt, wenn wir auf den Ruf dieser absoluten Liebe mit Vertrauen statt mit Angst antworten. Doch wenn wir von den unersättlichen Bedürfnissen des Egos hypnotisiert sind, wird diese geheimnisvolle Kraft immer in uns gefangen bleiben oder, noch schlimmer, wird sie benutzt, um die Welt für die schädlichen Zwecke des Egos zu beeinflussen. Das Ego kann sich tatsächlich sehr leicht der Sehnsucht des spirituellen Herzens bemächtigen, indem es sich als eben dieses Herz verkleidet, wenn unser Wunsch nach absoluter Liebe nicht frei ist von dem Verlangen nach persönlichem Gewinn.

Der todesverachtende Sprung ins Unbekannte, welcher der Ausdruck fundamentaler Hingabe ist, ist die mächtigste Transformation von Energie und Aufmerksamkeit, die sich im menschlichen Bewusstsein vollziehen kann, abgesehen von dem Abfallen der physischen Form. Deshalb sind die tatsächlichen Folgen dieses Sprungs immer so außergewöhnlich. Wenn dieser Sprung erst einmal vollzogen wurde, sind die üblichen Grenzen der Persönlichkeit zertrümmert, während sich die Sphäre des Selbstgefühls in alle Richtungen ausdehnt. Das enorme Risiko, das man eingehen muss, damit sich eine solche Transformation ereignen kann, erfordert einen Grad von Mut und Vertrauen, den sich die meisten nicht vorstellen können. Dieses Risiko wird man nur aus einem Grund eingehen: einer intensiven Sehnsucht, niemand zu sein, oder einer entsprechend intensiven Sehnsucht, jemand zu sein.

Die Vorstellung der Hingabe an die Macht der absoluten Liebe ist aus dem Blickwinkel des Egos vollkommen erschreckend. Doch wenn sich das Ego der aufrichtigen Sehnsucht nach Hingabe bemächtigt, weil es nach der Verheißung von göttlicher Selbstheit trachtet, wird das Ergebnis kein Selbst sein, das endgültig von den Ketten des Egos befreit ist, sondern vielmehr ein Ego, das erleuchtet worden ist. Die Macht der absoluten Liebe ist vollkommen unpersönlich und ihr endloser magnetischer Ruf an alle, die ihn hören, ist gleichermaßen unpersönlich. Das heißt, jene geheimnisvolle Macht akzeptiert alles und jeden, die bereit sind, ihren Ruf nach Unterwerfung von ganzem Herzen zu erwidern – ganz gleich, in welchem Zustand sie sind.

Wenn Hingabe endgültig ist, bringt sie die persönliche Entwicklung sofort zum Stillstand, weil das Individuum zu einem Boten des Göttlichen wird. Was immer die Beweggründe dessen waren, der den Sprung gewagt hat, der Zustand der Persönlichkeit erstarrt im Augenblick der Hingabe für immer. Darum ist es so wichtig, dass die Läuterung des Vehikels aufrichtig und systematisch gepflegt wird – nur dann wird die Persönlichkeit von der durch das Ego getriebenen Begierde befreit, jemand zu sein, der das katalytische Ereignis bedingungsloser Unterwerfung unter das Absolute unverändert übersteht.

Die Macht absoluter Liebe ist ein heftiges Feuer von unermesslicher Majestät, das alles und jeden verzehrt, der seinen Flammen zu nahe kommt. Dieses Feuer brennt gewaltig und ist sich nur seiner selbst bewusst. Deshalb ist die uneingeschränkte und sehr bewusste Teilnahme am ganzen Prozess der Selbstläuterung immer ein so wesentlicher Teil spiritueller Entwicklung und Transformation. In den meisten Fällen wird der ungewöhnliche Sprung, der fundamentale Hingabe immer ist, tatsächlich nicht frei von dem zerstörerischen Einfluss des Egos sein, wenn wir uns nicht intensiv und tief der bewussten Teilnahme an unserer eigenen Läuterung widmen.

Was dabei allerdings so geheimnisvoll ist, ist die eindringliche Erkenntnis, dass diese Teilnahme am Prozess unserer eigenen Transformation das heftige Feuer der absoluten Liebe selbst ist. Sie wirkt in unserem Herzen und unserem Geist als die Sehnsucht nach Befreiung.

Aus: Andrew Cohen – Himmel Und Erde Umarmen -

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Erleuchtung ist ein Geheimnis

Februar 7th, 2010 by admin· Kommentare deaktiviert · Andrew Cohen, Evolutionäres Denken

Erleuchtung ist keine persönliche Angelegenheit

Wenn du über Erleuchtung nachdenkst, ist es wichtig, andere Menschen in diese Überlegung mit einzubeziehen.

Transzendenz wird dir dann gehören, wenn du anfängst, Verantwortung für den Zustand der gesamten Menschheit zu übernehmen. Wenn du dich selbst in bedingungsloser Hingabe aufgibst, erhebst du dich automatisch über die sehr begrenzte Perspektive, in der sich der Großteil der Menschheit für immer verloren hat. Du gelangst zu einer unendlich viel größeren Perspektive, in der alle Fragen verschwinden.

Das Nebenprodukt der Erleuchtung besteht darin, dass du aufhörst, auf die Art und Weise zu leiden, wie du früher gelitten hast. Aber den größten Nutzen hat die gesamte Menschheit. Warum? Weil einer tatsächlich aufgehört haben wird. Wenn dies geschieht, kommt es zu einer explosiven Reaktion von großer Anziehungskraft.

Wenn dich all die Konflikte und die Leiden, die du in der Welt siehst, betroffen machen, du aber nicht bereit bist, den Konflikt in dir selbst zu beenden, kannst du sicher sein, dass du es nicht ernst meinst.

Die Erkenntnis der Wahrheit ist die Entdeckung des wahren Gewissens

F: Was erzeugt eine Stabilität, die es möglich macht, dass eine tiefe Verwirklichung unverdorben bleibt?

A: Eine klare Absicht erzeugt Stabilität. Das heißt: klar zu wissen, dass du mehr als alles andere frei sein willst.

F: Auch die besten Absichten werden oft verdorben. Es scheint so schwierig zu sein.

A: Ja, das ist wahr. Die überragenden Erfahrungen vieler Menschen verkümmern oft schon nach kurzer Zeit zu nichts als anregenden Erinnerungen, weil ihre Absicht, frei zu sein, noch nicht vollkommen geklärt ist. Die Grundstruktur des Egos bleibt üblicherweise intakt und im Wesentlichen unverändert. Aber nach einer solchen Erfahrung werden sie immer wissen, dass es noch eine andere Möglichkeit gibt. Sie werden dies aus eigener Erfahrung wissen, denn sie haben es selbst erkannt, und die Erinnerung an diese Erfahrung wird sie verfolgen.

F: Warum werden sie davon verfolgt?

A: Weil das Erkennen der Wahrheit die Entdeckung des wahren Gewissens ist. Von der Wahrheit verfolgt zu werden heißt, von deinem eigenen wahren Gewissen verfolgt zu werden. Der Zweck dieser Erfahrungen besteht darin, dass man erkennt, welche Rolle man im großen Drama des Lebens zu spielen hat. Die meisten Menschen sind so ausschließlich mit sich selbst beschäftigt, dass sie keinerlei Verantwortung für irgendjemand anderen empfinden. Je tiefer die Erkenntnis eines Menschen, umso stärker wird das dadurch geborene Gewissen, von dem ich spreche, ausgeprägt sein. In tiefster Erkenntnis ist es möglich, auf eine Perspektive zu stoßen, die so weit ist, dass du dich plötzlich überwältigt fühlst von der enormen Verantwortung, die du allein schon dadurch hast, dass du ein Mensch bist. Du wirst erkennen, wie wichtig dein eigenes Leben in Wirklichkeit ist.

Der Sinn aller spirituellen Erfahrung ist Evolution

Die Misere der Menschheit besteht darin, dass sie bis jetzt noch nicht zu einem ursprünglichen Vertrauen gefunden hat. Der wahre Wert tiefer spiritueller Erfahrungen liegt in der Entdeckung dieses ursprünglichen Vertrauens.

Die vollständige Verwirklichung der Erleuchtung ist der evolutionäre Sprung, zu dem letztendlich alle spirituellen Erfahrungen hinführen. In tiefer spiritueller Erfahrung erkennt der Mensch etwas, das über das Persönliche hinausgeht. In dieser Erfahrung wird ein tiefes Vertrauen gefunden. In der Entdeckung dieses Vertrauens ist es dem Menschen möglich, sich von Neigungen zur Aggression zu befreien und die Illusion der Trennung, aus der diese Neigungen hervorgehen, dauerhaft zu zerstören. Das Ergebnis dieser Entdeckung ist eine tiefe und umfassende Integrität, die konsequent in allen Bereichen des menschlichen Ausdrucks sichtbar ist. Wenn der evolutionäre Sprung stattfinden soll, muss wahre spirituelle Erfahrung in letzter Konsequenz zu dieser Art von Reinheit führen.

Spirituelle Erfahrungen und ihre Auswirkungen sind nicht für den Einzelnen gedacht. Sie dienen der Evolution der gesamten Menschheit.

Können wir diesen nächsten Schritt tun?

Können Menschen einander vertrauen und in diesem Vertrauen harmonisch miteinander zusammenleben? Die Geschichte lehrt uns, dass dies der Menschheit bisher nicht sonderlich gut gelungen ist. Der Sinn aller spirituellen Erfahrung liegt darin, den Menschen an den Punkt zu bringen, wo er oder sie zu einem sozialen Wesen wird, welches fähig ist, mit anderen Menschen in einer aggressionsfreien Weise zusammenzuleben.

Ganz objektiv betrachtet, ist die spirituelle Reise eher praktisch als esoterisch.

Der Tod des Individuums ist die Geburt dieses evolutionären Sprunges. Können wir diesen nächsten Schritt tun? Das hat jeder selbst in der Hand. Es muss einem nur klar sein, dass es dabei für einen selbst nichts zu gewinnen gibt.

Aus:  Andrew Cohen – Erleuchtung ist ein Geheimnis -

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Der Ruf des Absoluten

Februar 7th, 2010 by admin· Kommentare deaktiviert · Andrew Cohen, Evolutionäres Denken

Der Ruf des Absoluten

Was gewinnst du, wenn du das Gesicht Gottes siehst? Die Antwort ist einfach: absolut nichts. Das ist es, was wir in der spirituellen Offenbarung für uns entdecken. Doch weil wir zu Materialisten erzogen worden sind, nehmen wir an, der Sinn des Lebens bestehe darin, zu bekommen, zu haben und anzuhäufen. Und wenn wir den spirituellen Pfad betreten, bringen die meisten von uns unbewusst diese tief sitzende materialistische Beziehung zum Leben mit. Wir wollen, dass eine transzendente Macht uns göttliche Gnade zuteil werden lässt, damit wir sie für uns selbst haben können. Doch was wir nicht wissen, ist, dass diese Macht noch materialistischer ist als wir. Wenn wir das Glück haben, die Erfahrung zu machen, wie sich ihre geheimnisvolle Gegenwart in, um und durch uns hindurch bewegt, werden wir die erschreckende und doch magnetisierende Anziehung absoluter Liebe entdecken, die nichts weniger als alles von uns fordert. Jeden einzelnen Atemzug, den unsere Lunge macht, will diese Gegenwart nur für sich. Jene, die diese Erfahrung gemacht haben, sind entweder durch die unvorstellbare Intensität ihrer absoluten Natur von Ekstase überwältigt oder durch ihre eigene Angst davor gelähmt worden. “Ich will alles von dir für mich selbst“, ist der endlose Ruf dieses Mysteriums. Die Glücklichsten unter uns haben keine andere Wahl als aus der Tiefe ihres Seins zu antworten, wenn sie diesen Ruf hören. Selbst wenn die ganze Welt schreit: “Nein, du darfst das nicht – du solltest dich nicht etwas hingeben, was der Verstand nicht begreifen kann“, sinken sie auf die Knie, bereit zu sterben.

Spirituelle Erfahrung, welche die Kraft zur Transformation hat, gibt uns nichts, sie nimmt uns alles. Die überwältigende Schlichtheit dieser einfachen Wahrheit führt uns, wenn wir sie erkennen, genau an das äußerste Ende des Bekannten. Und dort draußen entdecken wir, dass es völlig von uns abhängt, ob die Macht der absoluten Liebe in dieser Welt, die so von selbst verursachtem Schmerz und Elend überwältigt ist, wirken kann.

Jenseits unseres ichbezogenen Denkens gibt es ein geheimnisvolles Reservoir unvorstellbarer Stärke und Energie, das sich aus dem hingegebenen Herzen spontan in die leidende Welt ergießt, wenn wir auf den Ruf dieser absoluten Liebe mit Vertrauen statt mit Angst antworten. Doch wenn wir von den unersättlichen Bedürfnissen des Egos hypnotisiert sind, wird diese geheimnisvolle Kraft immer in uns gefangen bleiben oder, noch schlimmer, wird sie benutzt, um die Welt für die schädlichen Zwecke des Egos zu beeinflussen. Das Ego kann sich tatsächlich sehr leicht der Sehnsucht des spirituellen Herzens bemächtigen, indem es sich als eben dieses Herz verkleidet, wenn unser Wunsch nach absoluter Liebe nicht frei ist von dem Verlangen nach persönlichem Gewinn.

Der todesverachtende Sprung ins Unbekannte, welcher der Ausdruck fundamentaler Hingabe ist, ist die mächtigste Transformation von Energie und Aufmerksamkeit, die sich im menschlichen Bewusstsein vollziehen kann, abgesehen von dem Abfallen der physischen Form. Deshalb sind die tatsächlichen Folgen dieses Sprungs immer so außergewöhnlich. Wenn dieser Sprung erst einmal vollzogen wurde, sind die üblichen Grenzen der Persönlichkeit zertrümmert, während sich die Sphäre des Selbstgefühls in alle Richtungen ausdehnt. Das enorme Risiko, das man eingehen muss, damit sich eine solche Transformation ereignen kann, erfordert einen Grad von Mut und Vertrauen, den sich die meisten nicht vorstellen können. Dieses Risiko wird man nur aus einem Grund eingehen: einer intensiven Sehnsucht, niemand zu sein, oder einer entsprechend intensiven Sehnsucht, jemand zu sein.

Die Vorstellung der Hingabe an die Macht der absoluten Liebe ist aus dem Blickwinkel des Egos vollkommen erschreckend. Doch wenn sich das Ego der aufrichtigen Sehnsucht nach Hingabe bemächtigt, weil es nach der Verheißung von göttlicher Selbstheit trachtet, wird das Ergebnis kein Selbst sein, das endgültig von den Ketten des Egos befreit ist, sondern vielmehr ein Ego, das erleuchtet worden ist. Die Macht der absoluten Liebe ist vollkommen unpersönlich und ihr endloser magnetischer Ruf an alle, die ihn hören, ist gleichermaßen unpersönlich. Das heißt, jene geheimnisvolle Macht akzeptiert alles und jeden, die bereit sind, ihren Ruf nach Unterwerfung von ganzem Herzen zu erwidern – ganz gleich, in welchem Zustand sie sind.

Wenn Hingabe endgültig ist, bringt sie die persönliche Entwicklung sofort zum Stillstand, weil das Individuum zu einem Boten des Göttlichen wird. Was immer die Beweggründe dessen waren, der den Sprung gewagt hat, der Zustand der Persönlichkeit erstarrt im Augenblick der Hingabe für immer. Darum ist es so wichtig, dass die Läuterung des Vehikels aufrichtig und systematisch gepflegt wird – nur dann wird die Persönlichkeit von der durch das Ego getriebenen Begierde befreit, jemand zu sein, der das katalytische Ereignis bedingungsloser Unterwerfung unter das Absolute unverändert übersteht.

Die Macht absoluter Liebe ist ein heftiges Feuer von unermesslicher Majestät, das alles und jeden verzehrt, der seinen Flammen zu nahe kommt. Dieses Feuer brennt gewaltig und ist sich nur seiner selbst bewusst. Deshalb ist die uneingeschränkte und sehr bewusste Teilnahme am ganzen Prozess der Selbstläuterung immer ein so wesentlicher Teil spiritueller Entwicklung und Transformation. In den meisten Fällen wird der ungewöhnliche Sprung, der fundamentale Hingabe immer ist, tatsächlich nicht frei von dem zerstörerischen Einfluss des Egos sein, wenn wir uns nicht intensiv und tief der bewussten Teilnahme an unserer eigenen Läuterung widmen.

Was dabei allerdings so geheimnisvoll ist, ist die eindringliche Erkenntnis, dass diese Teilnahme am Prozess unserer eigenen Transformation das heftige Feuer der absoluten Liebe selbst ist. Sie wirkt in unserem Herzen und unserem Geist als die Sehnsucht nach Befreiung.

Aus: Andrew Cohen – Himmel Und Erde Umarmen -

Andrew Cohen

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Was würdest du tun?

Februar 7th, 2010 by admin· Kommentare deaktiviert · Andrew Cohen, Evolutionäres Denken

Was würdest du tun?

Quelle: FreiSein

Was würdest du tun, wenn dir klar würde, dass alles von dir abhängt? Was würdest du tun, wenn du plötzlich begriffst, dass die Evolution der gesamten Menschheit allein auf deinen Schultern ruht? Was würdest du tun?

Wage es, deinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Gib dich ganz dieser Vorstellung hin. Stell dir vor, du sitzt in einem überfüllten Bus auf dem Weg zur Arbeit. Plötzlich, ohne ersichtlichen Grund, wird alles ganz still. Du hörst keinen einzigen Ton mehr. Sämtliche Stimmen um dich herum verstummen, und du könntest auch nichts und niemanden mehr sehen. Alles verschwindet. Plötzlich wirst du von einem strahlend weißen Licht überwältigt. Wohin du auch blickst, überall ist nur dieser blendende Glanz. In deiner wachsenden Verwirrung bemerkst du, dass dir eine unsichtbare Präsenz mitteilt, die Evolution der gesamten Menschheit läge ganz allein auf deinen Schultern. Dann ist alles ebenso schnell wieder vorbei, wie es begonnen hat. Wie betäubt findest du dich in dem vollen Bus wieder, gemeinsam mit den anderen, die wie du zur Arbeit fahren. Wenn dir so etwas zustieße, was würdest du tun? Wärst du fähig, dich dem Ruf des Absoluten und dem, was er mit sich brächte, zu entziehen? Hätte diese Erkenntnis nachhaltigen Einfluss auf deine Beziehung zu dem, was sich in deinem Verstand abspielt? Würde sich deine Beziehung zu den sich ständig verändernden Gefühlen ändern? Hätte diese schockierende Offenbahrung irgendeinen Einfluss auf deine Beziehung zur Vergangenheit, zur Gegenwart und zur Zukunft? Würde sich deine Beziehung zum Leben und zu all deiner Erfahrung auf unwiderrufliche Weise wandeln? Oder bist du so in das Drama deines persönlichen Lebens verwickelt, dass du fähig wärst, der oder die Gleiche zu bleiben? Wäre es dir noch möglich, an der Gültigkeit einer beängstigend ichbezogenen Beziehung zum Leben festzuhalten?

Diese leidvolle Welt kann sich nur wirklich ändern, wenn der Einzelne gewillt ist, das Persönliche auf wahrlich heldenhafte Weise hinter sich zu lassen. Solange wir nicht so weit gehen können, werden wir in einem Zustand verharren, wo es uns immer nur um unsere eigenen Bedürfnisse geht. Wie ein Bettler werden wir eine quälende Existenz stetigen Mangels führen. Die meisten von uns sind bereit, so zu leben.

Um den befreienden Idealismus, den viele von uns irgendwann einmal deutlich erfahren haben, in die Tat umzusetzen, müssen wir gewillt sein, eine große Last auf uns zu nehmen, und diese Last ist die Evolution des Ganzen. Denn um unser Ziel zu erreichen, müssen wir bereit sein, gegen die machtvolle, bewusste oder unbewusste Konditionierung der gesamten Menschheit anzukämpfen. Was bedeutet, dass wir aus dem Schatten hervortreten müssen, um gesehen zu werden. Wie Atlas müssen wir bereit sein, die ganze Welt auf unseren Schultern zu tragen. Eine Ehrfurcht gebietende Aufgabe!

Also – wenn dir etwas gänzlich Ungewöhnliches zustieße, was würdest du tun?

Andrew Cohen

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Die Entdeckung einer größeren Perspektive

Februar 7th, 2010 by admin· Kommentare deaktiviert · Andrew Cohen, Evolutionäres Denken

Die Entdeckung einer größeren Perspektive

In dem folgenden Kapitel aus dem 1997 erschienenen Buch An Unconditional Relationship to Life beschreibt Andrew Cohen die Entwicklung und das Verständnis der Bedeutsamkeit von Erleuchtung anhand einer Beobachtung, die er machte, als seine Schüler sich in einer höheren Einheit begegneten, die offensichtlich das individuelle Bewusstsein transzendierte.


Wie bei den meisten, war auch meine eigene Suche nach Erleuchtung zuerst auf mich selbst gerichtet. Die tieferen Implikationen der Befreiung waren mir bei weitem nicht bewusst. Ich wollte endgültige Befreiung von Angst und Unsicherheit, und mehr noch, ich wollte mich, wie bereits einmal zuvor, ein für alle Mal über alle Zweifel hinaus davon überzeugen, dass meine Existenz nicht vom größeren Leben getrennt war. Als dies für wenige kurze Wochen mit meinem Lehrer auf wundersame Weise geschah, war ich schockiert. Zu meinem Erstaunen wurde der Schock in den darauf folgenden Wochen immer größer, als das gleiche Ereignis–das Mysterium der Selbsterkenntnis–auch alle in meinem Umfeld erfasste. Bald allerdings verwandelte sich der Schock in Faszination, als ich etwas noch viel Mysteriöseres als den Moment der Selbsterkenntnis beobachtete, nämlich die Auflösung des getrennten Selbst bei all jenen, die das Selbst erkannt hatten. Die Ekstase der vollkommenen Nähe und das absolute Vertrauen offenbarten eine Freiheit des Seins, die langsam mehr an Bedeutung gewann, als die Befreiung des einzelnen Individuums.

In den ersten Wochen meiner Entwicklung als Lehrer lag die Betonung allein auf der Befreiung des Individuums, aber ich konnte nicht darüber hinwegsehen, dass etwas viel Bedeutsameres geschah. All jene, die längere Zeit mit mir verbrachten, schien eine Perspektive zu verbinden, die sich letztendlich als viel wichtiger erwies als die Erfahrung des Einzelnen. Diese Perspektive war die Erkenntnis, dass es kein Zweites gibt.

Die Ekstase der Gemeinschaft war mir gleich zu Anfang meiner Lehrtätigkeit aufgefallen. Zu der Zeit lebte ich mit sieben Leuten für zwei Monate in Rishikesh in Nordindien. Während wir die Tage und Nächte zusammen verbrachten, versunken im Glücksgefühl der Selbsterkenntnis, war das Mysterium der Zeitlosigkeit wie ein uns umgebendes Energiefeld. Zusammensein war wie allein sein und in diesem Alleinsein brauchte man nirgendwo hinzugehen. Es schien, als ob durch das Zusammensein die Illusion der Individualität sogar noch deutlicher wurde. Die Grenzen zwischen innen und außen hatten sich völlig aufgelöst–es war oft schwierig zu sagen, wo der eine aufhörte und der nächste begann.

Kurze Zeit später wurde ich nach England eingeladen, und innerhalb weniger Wochen versammelten sich viele Menschen, um meine Lehre zu hören. Und obwohl ich, wie ich selbst es gelernt hatte, noch immer die Befreiung des Individuums betonte, schienen die Menschen um mich herum nicht nur Befreiung dadurch zu erfahren, dass sie Zeit mit mir verbrachten, sondern einfach durch das Zusammensein miteinander.

Einige Monate später ließ ich mich in Holland nieder. Dort hatte ich keinen Zweifel mehr daran, dass die Bedeutung dessen, was die Individuen, die zu mir gekommen waren, miteinander erfuhren, weit über die Motive hinaus ging, die sie oder ich anfänglich hatten. Mein ursprüngliches Motiv als Lehrer war es gewesen, das Individuum zu befreien. Das Motiv, das viele Menschen zu mir geführt hatte, war Freiheit für sich selbst zu finden. Nun aber fanden wir uns alle inmitten von etwas ganz anderem wieder. Wir schwammen in einem Ozean des Seins und es wurde deutlich, dass das, was sich da spontan im kollektiven Bewusstsein zeigte, das evolutionäre Potenzial der Menschheit als Ganzes war.

Eine neue Bedeutung

Nach zwei Jahren in Europa zog ich nach Massachusetts. Viele Leute entschlossen sich dazu, mir dorthin zu folgen und so fand ich mich bald in einer interessanten Lage wieder. Ich erkannte, dass hier etwas geschah, das sich sehr von dem unterschied, was ich bei meinem Lehrer gelernt hatte, und was ich anfänglich auch dachte, selbst zu lehren. Erleuchtung, die über die Befreiung des Individuums hinaus ging, manifestierte sich klar und deutlich vor meinen Augen und diese Tatsache musste nun von mir und meinen Schülern berücksichtigt werden.

Was war die Bedeutung dessen, was sich vor meinen Augen entfaltete und eine ganz andere Richtung einschlug, als ich anfänglich dachte? Es schienen viele und weitreichende Implikationen zu sein, und vor allem hatte es für jeden einzelnen der Beteiligten eine besondere Bedeutung.

Wir begegneten uns in einer Art und Weise, in der die Erfahrung des Individuums weniger Bedeutung zu haben schien, als der kollektive Kontext, in dem sie sich ereignete. Dieser Kontext war die vollkommene und ungebrochene Einheit im Erkennen des Selbst. Es schien, dass gerade durch diesen Kontext der evolutionäre Impuls sich auf eine seltene und bemerkenswerte Weise entfalten und ausdrücken konnte. Das kollektive Bewusstsein schien zu verlangen, dass alle beteiligten Individuen sich zu einer höheren Ebene des Seins entwickeln. Es war faszinierend zu sehen, wie sich in der Gruppe als Ganzes die Geburt eines spirituellen Bewusstseins vollzog, das in der Lage war, mit größerer Tiefe zu sehen und zu fühlen als viele der Individuen allein. Im Zusammensein wurde die störende Präsenz des Egos nicht nur dem Einzelnen, sondern auch dem kollektiven Bewusstsein der Gruppe deutlich. Jedes Bedürfnis getrennt zu sein, das seinen Ursprung in der Angst vor dieser Einheit hatte, wurde in einer starken aber potenziell befreienden Art und Weise offensichtlich. Für diejenigen, die ernsthaft frei sein wollten, wurde es zunehmend einfacher zu erkennen, was immer im Weg zur Freiheit gestanden hatte. Und noch wichtiger war, dass die Geburt dieses Kontextes den Weg zu vollkommener Transzendenz buchstäblich und unzweideutig für alle erkennbar offenbarte.

Wahrhafte Befreiung war nicht länger eine entfernte Möglichkeit, sondern ein lebendiges Potenzial für diejenigen, die den Mut besaßen, loszulassen. Und was fast noch bedeutsamer war, war die Tatsache, dass das gleichzeitige Erkennen der Einheit durch so viele ein aufregendes evolutionäres Potenzial erkennen ließ. Es schien jeden, der sich dessen bewusst wurde, dazu aufzurufen, alle Hindernisse zu dieser Einheit hinter sich zu lassen, sodass die Tatsache der Einheit in dieser Welt manifestiert werden könnte, nicht nur als ein inneres Wissen des Einzelnen, sondern als eine objektive Tatsache, die viele Menschen miteinander verwirklichen. Es schien, dass sich wirklich der Himmel auf Erden manifestieren könnte, wenn einige Menschen es mit aller Kraft wollen.

Die Verbindung der Liebe und der mystischen Einheit, welches uns alle zusammengebracht hatte, offenbarte die Tatsache, dass bei den Beteiligten Einvernehmen bestehen musste bezüglich der Forderung, sich einem höheren Prinzip zu verpflichten.

Zu oft bleibt die Erfahrung der mystischen Einheit nur eine Erkenntnis des außerordentlichen evolutionären Potenzials des Menschen. Wenn der Schatten, den das Ego normalerweise wirft, sich zeitweilig auflöst, offenbart das Licht der lebendigen Wahrheit ungehindert nicht nur die herrliche innewohnende Vollkommenheit des Lebens, sondern auch wie sich diese Vollkommenheit in einer scheinbar unvollkommenen Welt ausdrücken kann. Wenn sich dieser Weg zeigt, wird alles möglich. Aber diese Möglichkeit wird fast nie verwirklicht und wenn, bleibt sie meistens auf ein einzelnes Individuum begrenzt. Doch wenn die spirituelle Vision sich nicht über das Individuum hinaus manifestiert, kann sich das ihr innewohnende tiefe evolutionäre Potenzial nicht wirklich entfalten.

Andrew Cohen

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Spirituelles Selbstvertrauen

Februar 7th, 2010 by admin· Kommentare deaktiviert · Andrew Cohen, Evolutionäres Denken

Spirituelles Selbstvertrauen

Es ist wichtig, Selbstvertrauen zu haben. Aber noch wichtiger ist es, spirituelles Selbstvertrauen zu haben. Spirituelles Selbstvertrauen ist diese einzigartige und spürbare absolute Überzeugung, die weder von äußeren noch von inneren Schwankungen beeinflusst werden kann. Es bedeutet, absolut sicher zu sein. Es bedeutet zu wissen, bevor man weiß, dass man weiß. Es ist das größte Geschenk und ein Segen und kann nur aus der tiefen Offenbarung der wahren Natur der Dinge kommen. Es ist auch das wertvollste Juwel, das frei vom erwachten Herzen und Geist eines wahren Meisters an all jene übertragen wird, die bereit sind, es anzunehmen. Absolute Überzeugung zerstört existenziellen Zweifel und befreit die menschliche Seele.

In den östlichen Traditionen wird gesagt, Zweifel sei eines der größten Hindernisse für die tief greifende Entdeckung des erwachten Bewusstseins. Der Funke von ekstatischer Überzeugung in den Augen eines Heiligen ist Ausdruck befreiender Furchtlosigkeit und Freude und gibt Zeugnis von kraftvollem spirituellem Selbstvertrauen. Leider beziehen auch Verrückte und Größenwahnsinnige aus Ost und West ihre Kraft aus einem absoluten Selbstvertrauen. Das ist jedoch nicht das Vertrauen, das dem Wissen um das unbegreifliche Mysterium entspringt. Dieses Selbstvertrauen entsteht meistens aus Angst, aus überwältigender Arroganz, aus dem kleinen Ego und aus ethnozentrischem Stolz. Es ist ein Selbstvertrauen, das lediglich im Verlangen nach Macht und im Streben nach Dominanz gegründet ist. Das spirituelle Selbstvertrauen, von dem ich spreche, entspringt einer ganz anderen Quelle – einem anderen Teil des Selbst.

Es gibt Menschen, die behaupten, jede absolute Überzeugung sei gefährlich und nicht vertrauenswürdig. Meiner Meinung nach sind es Heuchler, die solche Behauptungen aufstellen. Heuchler, weil sie ihre Sichtweise engstirnig als absolute Überzeugung präsentieren, um gleichzeitig bei anderen eine solche Position als unsinnig abzutun!

Spirituelles Selbstvertrauen ist der sicherste Anker inmitten des ewigen Sturms von Leben und Tod. Es ist das unerschütterliche Vertrauen in die Richtigkeit unseres Hierseins. Vertrauen in die Richtigkeit des Lebensprozesses, in dem wir uns vorfinden – trotz allem Chaos und aller Komplexität. Diese Art von Vertrauen ist von höchster Wichtigkeit für alle, die davon überzeugt sind, dass sie Verantwortung für den Zustand der Welt tragen. Mehr noch für die kühnen und mutigen Krieger und Kriegerinnen, die etwas wirklich Neues erschaffen wollen, die es wagen, einen Schritt nach vorn zu machen, um für das, was höher ist, einzustehen und Zeugnis abzulegen.

Vor allem in Zeiten wie diesen, in denen es so viele Turbulenzen und so viel individuelle und kollektive Sorge ums Überleben gibt, ist es wichtig, diese Art von Vertrauen zu haben. Ohne dieses Vertrauen als konstanten Bezugspunkt werden uns immer wieder die emotionalen, psychischen und spirituellen Ressourcen fehlen, um den guten Kampf zu kämpfen. Und jene, die ihr Leben der ewigen Suche widmen, um die Welt in eine kraftvolle Reflexion des Heiligen zu verwandeln, können sich auch nicht einen Augenblick des Zweifels oder der Angst, der ihre Seele überschattet, leisten. Warum? Weil es der eine Augenblick sein könnte, der am meisten zählt! Mit anderen Worten, wir können es uns nicht leisten, kein spirituelles Selbstvertrauen zu haben, wenn wir die Welt verändern wollen.

Die Art von spirituellem Selbstvertrauen und kraftvoller Überzeugung, die ich meine, erfüllt das Herz mit einer Liebe, deren Fülle nicht von äußeren Umständen abhängig ist. Eine Liebe, die nicht zu erschüttern ist, unbewegt und unzerstörbar. Solch eine Liebe – eine Liebe, die über die Welt hinausgeht und sie gleichzeitig ganz umfängt – zwingt die Menschen aus ihren tiefsten Tiefen heraus zur Veränderung und Entwicklung, um bessere Menschen in unserer Welt und unserem Kosmos zu werden. Die geheimnisvolle Quelle dieser Liebe zu kennen bedeutet, bereits vor jedem auftauchenden Gedanken zu wissen, dass das Leben gut ist. In Wirklichkeit sind wir dieses innere Gute. Und das ist es, was wir in der tiefsten Offenbarung entdecken.

Hab Vertrauen darauf und verändere die Welt.

Andrew Cohen

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Wie fühlt sich Gott?

Februar 7th, 2010 by admin· Kommentare deaktiviert · Andrew Cohen, Evolutionäres Denken

Wie fühlt sich Gott?

Ich wollte immer schon wissen: Wie fühlt sich Gott? Es ist leicht zu erfahren, wie sich Gott im formlosen Zustand fühlt. Wenn wir tief meditieren, wenn wir lange genug still sitzen und unseren Geist sehr ruhig werden lassen, bis wir im Urgrund und als der Urgrund allen Seins ruhen, fühlen wir uns so gut, wie Gott sich fühlen muss — vollkommen, leer und frei; völlig zufrieden, wunschlos. Alles, was der formlose Gott jemals tun möchte, ist zu sein — und für ewig über das Selbst zu meditieren. Wenn wir in diese tiefste Dimension unseres Bewusstseins vordringen, fühlen wir deshalb: „Hier könnte ich für immer verweilen“. In diesem Zustand von reinem Sein erleben wir, wie Gott sich gefühlt haben muss, bevor das Universum geboren wurde. Und wir erleben unser eigenes tiefstes Selbst, das von diesem leeren, grundlosen Grund nicht getrennt ist.

Dieser Urgrund des Seins ist jedoch nur ein Teil des Wesens Gottes. Gott ist auch alles, was aus diesem Nichts entstand — der explosive, über 14 Milliarden Jahre währende Prozess des Werdens. Wenn Gott diesen großen Sprung von der Formlosigkeit in die Form macht, ändert sich das Fühlen in drastischer Weise. Der Urgrund des Seins ist Gott in seiner bzw. ihrer nicht-manifesten Form. Sobald jedoch die Schwelle vom Nichts zum Etwas überschritten wird, manifestiert sich Gott als evolutionärer Impuls. Das eine Selbst beschließt, sich selbst als Form zu erschaffen, und aus dem Nichts strömt ein unermesslich großer Wunsch, zu werden. Das gesamte Universum, einschließlich unseres eigenen Selbst in ebendiesem Moment, ist Ausdruck und Manifestation dieses einen Wunsches.

Dem Verständnis davon, wie diese kreative Dimension Gottes fühlt, können wir am nächsten kommen, wenn wir die biologische Manifestation des evolutionären Impulses betrachten. Der Wunsch, Form zu erschaffen, findet im menschlichen Körper als Impuls zur Fortpflanzung oder als sexuelles Verlangen seinen Ausdruck. Steigt sexuelles Verlangen in uns auf, fühlt sich das wie eine ekstatische Dringlichkeit an — ein Gefühl von Ekstase und ein gleichzeitiges „Ich muss …“.

Derselbe kreative Impuls wird auf den höheren Ebenen des Selbst als der Drang erfahren, innovativ zu werden; als Leidenschaft, Neues zu schaffen. Wer von diesem kreativen Drang erfasst wird, erlebt dieses Gefühl von Ekstase und Dringlichkeit. Das ist ein höherer, deutlich stärker entwickelter Ausdruck des kreativen Impulses, den nur wir Menschen erleben können. Keine andere Lebensform scheint den Drang zu spüren, etwas Neues zu schaffen. Und der höchste Ausdruck dieser einzigartigen menschlichen Erfahrung ist der spirituelle Impuls, der geheimnisvolle Drang, sich auf der Ebene des Bewusstseins zu entwickeln. Der ekstatische Drang, bewusster zu werden, ist der tiefste Ausdruck der Ersten Ursache. Diesen im Herzen und Geist eines Menschen erwachten Impuls bezeichne ich als Authentisches Selbst.

Als menschliche Wesen erleben wir die kreative Dimension Gottes auf jeder Ebene unseres Seins. Sie lässt sich jedoch zunächst am einfachsten auf der groben physischen Ebene erfahren, wo sie zeitweise überwältigend wirken kann. Werde dir dieses ekstatischen Dranges bewusst, wenn du ihn in höchster physischer Intensität erlebst, und versuche dann, dir dieselbe Intensität auf der Ebene des Bewusstseins vorzustellen: So fühlt sich Gott immer in Bezug auf die Erschaffung des Universums. Und Gott empfindet niemals Erleichterung davon. Wenn Gott aus der Formlosigkeit in die Form wechselt, befindet er oder sie sich in einen fast quälenden Zustand, wo der Wunsch, zu schaffen oder zu werden, überwältigend ist, jedoch immer unerfüllt bleibt.

Wie Gott sich dann fühlt, ist immer ein Paradox: Auf der einen Seite ist aus der Perspektive des nicht-manifesten, ungeborenen, leeren Urgrunds allen Seins, der nie mit Zeit in Berührung kam, alles immer schon vollkommen. Nichts ist je geschehen, und so bleibt Gott ewig, friedlich und glückselig. Doch der Teil Gottes, der sich manifestiert hat, der entschieden hat, das Universum zu erschaffen, erlebt eine ständige ekstatische Dringlichkeit. Die Intensität dieses Dranges ist emotional, psychologisch, spirituell, philosophisch und physisch überwältigend. Und was sich in Herz und Seele des Menschen erhebt, wenn wir zum Authentischen Selbst, zum spirituellen Impuls erwachen, ist die beginnende Erkenntnis der Tatsache, dass wir alle auf der höchsten Ebene unseres Seins jene manifeste Dimension Gottes sind, jene Energie und Intelligenz, die den ganzen kreativen Prozess initiiert hat.

Mit dem Erwachen zum Authentischen Selbst wird uns dieser evolutionäre Impuls intuitiv deutlich und wir fangen an, uns mit dieser drängenden Energie und Intelligenz direkt verbunden zu fühlen. Wir fühlen dann tatsächlich, wie dieser Impuls in uns zu wirken beginnt und sich als geheimnisvoller Drang zur Entwicklung auf höchster Ebene in unserem Körper und Geist und durch uns bewegt. Wenn wir diesen Drang fühlen, erleben wir den subtilsten und tiefsten Ausdruck der ersten kosmischen Explosion — den weitesten Ausläufer des Urknalls. Soweit wir bis jetzt wissen, ist das der äußerste Punkt, wohin er vorgedrungen ist: dort, wo wir an der Spitze der Entwicklung für diesen geheimnisvollen Drang zur Evolution auf der Ebene unseres eigenen Bewusstseins erwachen. Wenn wir also diesen spirituellen Impuls verspüren, erleben wir den Urknall als einen Drang nach innerer Entwicklung und Wachstum. Die innersten Bereiche des Kosmos streben danach, sich tatsächlich in uns und durch uns zu entwickeln. Das Authentische Selbst ist das innere Erleben dieses ursprünglichen Ausbruchs vom Nichts in Alles, woran wir vor 14 Milliarden Jahren teilhatten. Auf der Ebene des Bewusstseins gibt es einem das Gefühl, dass es etwas unvorstellbar Wichtiges gibt, das JETZT geschehen muss.

Andrew Cohen

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Evolution des Bewusstseins

Februar 7th, 2010 by admin· Kommentare deaktiviert · Andrew Cohen, Evolutionäres Denken

Spirituelle Forschung und die Evolution des Bewusstseins

Was ist der Sinn von spiritueller Forschung? Sie dient dazu, das Leben auf der tiefsten Ebene zu verstehen. Wenn wir uns nicht die Mühe machen, zutiefst zu erkennen, wer wir sind und warum wir hier sind, werden wir, so wie die meisten Menschen, im Halbdunkel unseren Lebensweg entlang stolpern. Und das ist für den evolutionären Prozess nicht sehr nützlich. Wir leben in einer Zeit, in der niemand mehr wirklich weiß, welche Regeln noch gelten. Da wir uns heute kaum noch an den Traditionen orientieren, müssen wir uns der Tatsache stellen, dass jene von uns, die an der Spitze der Entwicklung stehen, sich in vielerlei Hinsicht in unbekanntem Terrain bewegen. Darum ist es wichtiger als je zuvor, sich der Praxis philosophischer und spiritueller Forschung bewusst zu widmen.

Angesichts unserer postmodernen Zwangslage, ist die Praxis der spirituellen Forschung sehr wirkungsvoll und bedeutsam, weil es dabei nicht um philosophischen und intellektuellen Zeitvertreib geht. Was du dabei wirklich versuchst, ist das Leben im größten Kontext und aus dem wichtigsten Beweggrund heraus zu verstehen. Das ist kein Spiel. Du versuchst buchstäblich neue Spuren im Bewusstsein zu bahnen–neue Strukturen, tiefere Perspektiven und höhere Potenziale.

Wenn du ernsthaft an der Evolution des Bewusstseins interessiert bist, ist spirituelle Forschung nicht einfach nur etwas, das du in deiner Freizeit am Sonntagnachmittag tust. Es ist eine gewisse Ausrichtung im Leben, die Ausrichtung des Authentischen Selbst. Eine wahrhaft forschende Haltung birgt ein leidenschaftliches Interesse für das, was du noch nicht weißt, in sich. Für die Evolution des Bewusstseins selbst, willst du wissen. Wenn du der Bewusstseinsevolution gegenüber nicht persönlich zutiefst verpflichtet bist, dann wirst du nicht wirklich an spiritueller Forschung interessierst sein, die über philosophische Abstraktion hinausgeht.

Bewusstsein ist nicht irgendeine mysteriöse Substanz, die außerhalb des Selbst im Äther existiert. Es ist gleichzeitig unser Selbst und intersubjektiv wir selbst–der Teil unseres Selbst, den wir mit anderen teilen. Bewusstsein ist ein intersubjektives Feld, das wir alle teilen. Damit das intersubjektive Feld sich tatsächlich entfalten und entwickeln kann, muss das Bewusstsein, aus dem es besteht, das heißt unser eigenes Bewusstsein, Platz für diesen subtilen, tief greifenden und geheimnisvollen Wachstumsprozess schaffen. Das intersubjektive Feld, welches das Selbst ist, kann und wird sich nur durch die Mitwirkung jener Individuen entwickeln, die wirklich leidenschaftlich an seiner Entwicklung interessiert sind. Genau das ist der Kontext für ernsthafte spirituelle Forschung. Und die einzige Art, wie die du diese Praxis wirklich ausüben kannst, ist dir selbst zu erlauben nicht bereits zu wissen.

Die meisten von uns nehmen unbewusst die Haltung ein, auf tieferer Ebene bereits zu wissen. Bereits zu wissen ist die Haltung des Egos, da das Ego sich immer sicher fühlen muss. Natürlich weiß jeder von uns bestimmte Dinge, und das ist nicht das Problem – unsere intellektuelle Kapazität ist in der Tat ein außerordentliches Geschenk der Evolution. Das Problem ist jedoch, wenn wir beginnen Wissen anzusammeln, neigt unser Ego dazu, an der Idee, dass es etwas weiß, festzuhalten. Oft beginnen wir zu fühlen, dass wir wichtig seien, nur weil wir etwas wissen. Wissen verleitet das Ego dazu sich mächtig zu fühlen und bildet in den meisten Fällen eine Mauer, die diesen Teil des Selbst beschützt und ermächtigt. Und wenn wir an dem Glauben festhalten, jemand zu sein, der bereits weiß, ist es sehr schwierig zu lernen oder sich auf der Ebene der Seele zu entwickeln. Insbesondere im Kontext von Erleuchtung, bedeutet Entwicklung immer, in unbekanntes Terrain vorzustoßen.

Wenn wir erkennen, dass die Evolution des Bewusstseins die Evolution des intersubjektiven Feldes ist, die gleichzeitig die Evolution des Selbst auf der tiefsten Ebene ist, dann wird es absolut unumgänglich, einen Weg zu finden, nicht bereits zu wissen – was bedeutet, das Ego loszulassen.

Das Feld kann sich wirklich nur dann entwickeln, wenn deine eigene Mitwirkung in diesem Prozess frei von Ego ist. Wenn du dich weigerst, nicht bereits zu wissen, wird dein Widerstand die Evolution des Selbst in diesem intersubjektiven Bestreben aufhalten. In intersubjektiver Evolution geht es immer um bewusste, beabsichtigte, gewillte Kooperation. Du musst mit dem evolutionären Prozess kooperieren wollen, du musst wirklich ernsthaft daran interessiert sein, nicht lediglich als eine abstrakte philosophische Idee, sondern als deine eigene engagierte Verpflichtung der Evolution des Bewusstseins gegenüber. Jemand der sich wahrhaftig um die Entwicklung des intersubjektiven Feldes sorgt, ist wie eine Mutter oder ein Vater, die sich zutiefst um die Erziehung, Bildung und das Wohlergehen ihres Kindes bemühen. Das gelingt nur, wenn du zu jener Art des leidenschaftlichen Interesses und zur Fürsorge für die Evolution und Entwicklung des Feldes selbst erwachst.

Mit nicht bereits wissen meine ich nicht, dass du buchstäblich ein unbeschriebenes Blatt sein musst oder deine Erinnerungen löschen sollst. Viele Menschen können nicht zwischen nicht bereits wissen und nichts wissen unterscheiden. Nicht bereits wissen bedeutet nicht, dass man auf intellektueller Ebene nichts versteht. Es hat nichts mit deinem Intellekt zu tun; es hat mit deinem Ego zu tun. Es bezieht sich darauf, frei von einer egoischen Identifikation mit den Informationen zu sein, die dein Intellekt angesammelt hat. Solange du an den Informationen, die du erworben hast, festhältst, weil sie dir ein Gefühl von Macht und Überlegenheit als Individuum geben, wirst du keinen Platz in dir selbst finden, um nicht bereits zu wissen – um authentisch zu hinterfragen.

Was bedeutet es also, eine Beziehung zu Wissen, Erinnerung und Erfahrung zu haben, die uns nicht fesselt? Die perfekte Haltung, die das Selbst einnehmen sollte, um sich zu entwickeln, ist ein geheimnisvoller Ort genau zwischen nicht bereits wissen, auf der einen Seite, und wissen zu wollen, auf der anderen. Auf tiefster Ebene nicht bereits zu wissen, verbindet uns mit dem Grund allen Seins, jener ursprünglichen Leere, die von sich aus frei und schon befreit ist, und die das Selbst als nicht-manifestiertes Bewusstsein ist. Wissen zu wollen, leidenschaftlich und voller Energie verstehen zu wollen, verbindet uns mit dem Authentischen Selbst, welches der evolutionäre Impuls oder der tiefste manifestierte Ausdruck von Bewusstsein ist. Eine evolutionäre Haltung manifestiert sich also in dem dynamischen Gleichgewicht zwischen diesen beiden Gegensätzen.

Wenn du in dieser Mitte zwischen nicht bereits wissen und wissen wollen lebst, zwischen dem Grund des Seins und dem Authentischen Selbst, gibt es keinen Platz für das Ego. Und aus dieser geheimnisvollen Mitte zwischen allen Gegensätzen entstehen und entwickeln sich neue Spuren im Bewusstsein – neue Strukturen, tiefere Perspektiven und höhere Potenziale, innerhalb des intersubjektiven Feldes, das dein eigenes Selbst ist.

Andrew Cohen

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Die neue Erleuchtung

Februar 7th, 2010 by admin· Kommentare deaktiviert · Andrew Cohen, Evolutionäres Denken

Die neue Erleuchtung

Was ist Erleuchtung? Erleuchtung bedeutet, dass durch einen Menschen mehr Licht – das Licht des Bewusstseins – strahlt. Wenn wir einem erleuchteten Mann oder einer erleuchteten Frau begegnen, erleben wir eine Ausdehnung unseres Bewusstseins, ein Gefühl des Selbst, das unendlich weit über die begrenzten Dimensionen der menschlichen Persönlichkeit hinausgeht. Solch ein Individuum ist ein Fenster zur Ewigkeit, das einzige Tor, durch das höheres Bewusstsein in die Welt eintritt.

Im traditionellen Modell wird die Erleuchtung durch die Erfahrung des Seinsgrunds erreicht, der Leere, aus der wir alle kommen. Wenn wir uns in einen sehr tiefen Meditationszustand begeben – jenseits des Verstandes, des Körpers, der Welt und der Zeit – erfahren wir reines Bewusstsein, alles durchdringendes, formloses Sein. Nichts existiert in jener ursprünglichen Leere, und trotzdem ist diese Leere genau der Urgrund, aus dem das ganze Universum, einschließlich dir und mir, entstanden ist und auch jetzt in diesem Moment noch entsteht. Diese Erfahrung ist sehr befreiend, weil wir in jenem Nicht-Raum den tiefsten Teil unseres Selbst entdecken, das Absolute Selbst, das nie in den Strom der Zeit eingetreten ist. In reinem Bewusstsein löst sich die Last der Existenz völlig auf – es gibt weder Konflikte noch Probleme zu lösen, keine Ziele zu erreichen. Es ist die Erfahrung absoluter Erleichterung. Also im traditionellen, prämodernen Sinne geht es bei der Erleuchtung um die Entdeckung bedingungsloser Freiheit durch das Erwachen zu diesem leeren Urgrund grenzenlosen Seins, dem ewigen Selbst, und darum, immer dort zu verweilen. Und letztendlich unterscheidet sich diese Einstellung nicht vom westlichen, religiösen Modell, in dem die ewige Rettung in einem seligen Himmelsreich jenseits der Welt gefunden wird. Sowohl in der traditionellen östlichen Weisheit als auch im religiösen westlichen Glauben ist das letztendliche Ziel ein Endzustand, ein transzendentaler Bewusstseinszustand oder ein paradiesischer Aufenthaltsort – ein Zustand also, der die Erlösung von dieser Welt verspricht.

Nun ist es wichtig zu verstehen, dass die Menschen, als diese großen Traditionen in ihrer Blüte standen, ein ganz anderes Verständnis vom Kontext ihres Lebens hatten. Im Osten, wo der Begriff Erleuchtung geprägt wurde, glaubte man zum Beispiel, dass sich die Geschichte karussellartig in immer wiederkehrenden Zyklen bewegte und den gleichen Prozess ewig wiederholte. Für jemanden, der in jenem Kontext “erwachte”, war der Pfad zur Befreiung und Rettung nahe liegend: Herunterzuspringen vom “Rad” der körperlichen Existenz, um für immer in dem Segen, der Freiheit und dem ewigen Frieden des formlosen Reiches jenseits von Zeit und Raum zu verweilen.

Aber wir haben uns entwickelt. Wir haben im Laufe von Tausenden von Jahren eine Menge über uns selbst gelernt und über den Kontext, in dem wir entstanden sind. Und eines der wichtigsten Dinge, die wir entdeckt haben, ist, dass sich die Zeit nicht zyklisch, sondern in einem linearen Entwicklungsprozess bewegt. Vor vierzehnmilliarden Jahren explodierte aus dem Nichts eine ungeheure Energie, und sie entwickelte sich mit der Zeit zu Licht, zu Materie und schließlich zum Leben. Und mit dem Beginn des Lebens trat Bewusstsein in den Strom der Zeit ein. Leben und Bewusstsein sind eins, und je komplexer die Lebensform, desto größer ihre Fähigkeit zum Bewusstsein. Am Menschen ist so wunderbar, dass wir aufgrund unseres hoch entwickelten Gehirns die einzigartige Fähigkeit besitzen, zu wissen, dass wir wissen. In der menschlichen Wahrnehmung hat das Bewusstsein die Fähigkeit erlangt, sich selbst und all das zu kennen “was in ihm existiert, einschließlich des ganzen Evolutionsprozesses, der diese Fähigkeit selbst hervorbrachte”.

Unser selbst reflektierendes Bewusstsein ist zweifelsohne der höchste und tiefste Ausdruck des Urknalls, und wenn wir diese Einsicht wirklich schätzen lernen, wird das unser Verständnis für das Ziel spirituellen Lebens zwangsläufig radikal umorientieren. Tatsächlich wird das ganze Konzept der Erleuchtung überholt werden müssen, um dieser entstehenden kosmischen Perspektive zu entsprechen. Angesichts all dessen, was für das Leben nötig war, um diese Schwelle zu erreichen, macht es einfach keinen Sinn zu schlussfolgern, das höchste spirituelle Ziel wäre die Flucht oder die Transzendenz oder die Befreiung vom körperlichen Dasein. Genau so sinnlos ist, was neuere und weiter gefasste Definitionen uns erklären, nämlich dass Erleuchtung bedeute, mit der Welt und zugleich mit jener formlosen Dimension jenseits der Welt eins zu werden. Da sich das Universum in der Zeit entwickelt, müssen wir, um mit ihm eins zu werden, mit dem Evolutionsprozess auf der Ebene unseres eigenen Bewusstseins eins werden. In dieser Hinsicht sitzen wir Menschen am Steuer wie noch nie zuvor, und diese Tatsache hat dramatische Implikationen. Eine neue Definition von Erleuchtung muss nämlich die entstehende Offenbarung zum Ausdruck bringen, dass von jetzt an unsere bewusste Teilnahme am Evolutionsprozess im wahrsten Sinne des Wortes unentbehrlich für die kreative Entfaltung des Kosmos geworden ist.

Wenn man beginnt, diese Einsicht an sich heran zu lassen, spürt man, wie die Macht, Energie und Intelligenz, die den ganzen Prozess steuern, in der eigenen Seele erwachen. Dieser kreative Impuls ist nichts anders als dein eigenes Selbst–dein von Natur aus freies Authentisches Selbst jenseits von Ego. Sobald das Ego, welches das ewige Hindernis der Erleuchtung darstellt, transzendiert wird, vertieft und dehnt sich das Bewusstsein automatisch aus. Du kümmerst dich immer weniger um dein persönliches Selbst und immer mehr um den großen Kontext, in dem dieser Prozess stattfindet. Warum? Weil jedem von uns klar wird, wenn er zu diesem Impuls erwacht, der diese wunderbare Entfaltung initiiert hat, dass es unser Prozess ist, und dass es auf uns ankommt, ihn voranzubringen. Die Macht, Energie und Intelligenz, die dieses Universum erschaffen haben, sind nun von uns, der am höchsten entwickelten Lebensform, abhängig, um ihren evolutionären Imperativ zu unserem eigenen Daseinszweck werden zu lassen. Dann werden wir wortwörtlich zum Gott in menschlicher Gestalt. Als Mensch verkörpert zu sein, das heißt du selbst zu sein, hier und jetzt, wird auf wunderbare Weise in ein heiliges Ereignis verwandelt. Und an diesem Punkt finden wir eine neue Definition von Spiritualität, die ich Evolutionary Enlightenment (Evolutionäre Erleuchtung) nenne, die der Realität des menschlichen Dilemmas und Potenzials zu diesem Zeitpunkt gerecht wird. Aber wir müssen die damit verbundenen außergewöhnlichen Anforderungen auch erfüllen.

Evolutionäre Erleuchtung ist die größte spirituelle Herausforderung, weil sie keinen Fluchtweg verspricht. Zu viele von uns hoffen heimlich immer noch darauf, dass wir eines Tages von diesem Prozess erlöst werden, um dann für immer und ewig ruhen zu können. Nur wenn wir endlich bereit sind, uns dem gewaltigen Kontext, in dem wir leben, und seinen tief greifenden transformativen Implikationen für uns persönlich zu stellen, werden wir uns zu authentischer spiritueller Reife entwickeln. Und das ist es gerade, was diese Welt so verzweifelt dringend braucht: reife, erleuchtete Menschen, die gewillt sind, aus ganzem Herzen für immer die Verantwortung für den gesamten Prozess zu übernehmen, um an der Erschaffung des bewussten Universums teilzunehmen, mit dieser Kraft und als diese Kraft, die es hervorgebracht hat. Dieser Impuls, der dein eigenes Authentisches Selbst ist, kann nie zur Ruhe kommen, bis die gesamte Materie des Universums vom Licht des Bewusstseins durchdrungen ist.

Andrew Cohen

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